Am IFA der Leibniz Universität Hannover entstanden über Jahrzehnte hinweg grundlegende Modelle und Methoden der Produktionslogistik – von etablierten Analyseansätzen bis hin zu ganzheitlichen Konzepten für Planung und Steuerung. Ebenso prägend ist eine besondere Institutskultur, die durch flache Hierarchien, Eigenverantwortung und engen Austausch gekennzeichnet ist. Diese Verbindung aus fundierter wissenschaftlicher Basis und gelebter Zusammenarbeit macht das IFA bis heute zu einem gefragten Partner für Industrie und Forschung.
Was trägt, bleibt
Seit der Gründung im Jahr 1966 wurden am IFA grundlegende Modelle und Methoden entwickelt, die bis heute Bestand haben. Das Durchlaufelement, das Trichtermodell mit den Produktionskennlinien oder die Ansätze zur synergetischen Fabrikplanung stehen exemplarisch für eine Forschung, die auf belastbaren, wissenschaftlich fundierten Prinzipien basiert. Viele dieser Konzepte haben die Produktionslogistik nachhaltig geprägt und gelten bis heute als Referenz in Wissenschaft und Praxis.
Diese Kontinuität ist Ausdruck eines klaren Selbstverständnisses: Substanz entsteht durch Tiefe – nicht durch kurzfristige Trends. Die am IFA entwickelten Modelle bilden bis heute die Grundlage für Forschung, Lehre und Industrieberatung und sind Ausgangspunkt für die Weiterentwicklung neuer Fragestellungen.
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor liegt dabei nicht nur in den Inhalten, sondern auch in der Arbeitsweise des Instituts. Das engagierte Team der wissenschaftlichen Mitarbeitenden organisiert sich in den Forschungsschwerpunkten weitgehend eigenständig und lebt einen intensiven Austausch. Flache Hierarchien, ein hohes Maß an Transparenz und eine bewusste Begrenzung auf rund 20 wissenschaftliche Mitarbeitende schaffen ein Umfeld, in dem Eigenverantwortung und Zusammenarbeit gleichermaßen gefördert werden. Diese besondere Kultur trägt wesentlich dazu bei, die inhaltliche Linie über Generationen hinweg konsistent weiterzuentwickeln.
Was sich ändert, wird integriert
Gleichzeitig steht die Produktion heute vor Herausforderungen, die neue Antworten erfordern. Digitalisierung, Nachhaltigkeit und die zunehmende Notwendigkeit zur Veränderungsfähigkeit prägen die industrielle Realität und führen zu neuen Fragestellungen in Forschung und Anwendung.
Unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. habil. Matthias Schmidt, der die vierte Generation der Institutsleitung repräsentiert, greift das IFA diese Entwicklungen gezielt auf. Dabei werden neue Themen nicht isoliert betrachtet, sondern als Querschnittsthemen verstanden, die in bestehende Modelle und Methoden integriert werden. So bleibt die wissenschaftliche Basis erhalten, während sich das Institut gleichzeitig weiterentwickelt.
Ein Beispiel hierfür ist die Vision einer automatisierten Produktionsplanung und -steuerung. Auf Basis moderner Ansätze wie Multiagentensystemen werden Lösungen entwickelt, die klassische Planungsaufgaben unterstützen und perspektivisch zunehmend autonom übernehmen können. Der Einsatz neuer Technologien, insbesondere im Kontext von Datenverarbeitung und künstlicher Intelligenz, eröffnet dabei zusätzliche Möglichkeiten der Entscheidungsunterstützung.
Diese Entwicklung zeigt: Fortschritt entsteht nicht durch den bloßen Einsatz neuer Technologien, sondern durch ihre sinnvolle Einbettung in bestehende Zusammenhänge. Oder anders formuliert: Nicht Technologien ersetzen den Menschen, sondern diejenigen, die neue Möglichkeiten gezielt nutzen, werden den Unterschied machen.
60 Jahre IFA – Rückblick, Austausch und Ausblick
Im März 2026 wurde das 60-jährige Bestehen des IFA im Produktionstechnischen Zentrum Hannover (PZH) der Leibniz Universität Hannover im Rahmen eines Ehemaligentreffens gefeiert. Rund 50 ehemalige Mitarbeitende kamen zusammen, um gemeinsam auf die Entwicklung des Instituts zurückzublicken und den Austausch über Generationen hinweg fortzuführen.
Nach der Begrüßung durch Institutsleiter Prof. Dr.-Ing. habil. Matthias Schmidt und einem Einblick in die aktuellen Aktivitäten wurden zentrale Meilensteine aus 60 Jahren IFA aufgegriffen. Von prägenden Forschungsergebnissen über strukturelle Entwicklungen bis hin zu den verschiedenen Generationen der Institutsleitung. Besonders lebendig wurde der Rückblick durch persönliche Beiträge der Ehemaligen. Mit Anekdoten und Erfahrungen entstand ein vielschichtiges Bild des Instituts und seiner Entwicklung. Dabei wurde deutlich, wie prägend die Zeit am IFA für viele Beteiligte war, fachlich wie persönlich.
Ergänzt wurde das Programm durch Beiträge aus den drei Fachgruppen, die sich im Vorfeld intensiv mit der eigenen Entwicklung auseinandergesetzt hatten. Dabei wurden sowohl die Weiterentwicklung bestehender Ansätze und deren Übertragbarkeit auf neue Anwendungsfelder als auch der Wandel hin zu einer ganzheitlichen Betrachtung sowie die zunehmende Bedeutung moderner Technologien aufgezeigt.
Die Veranstaltung machte damit genau das sichtbar, was das IFA seit 60 Jahren auszeichnet: das Zusammenspiel aus stabilen Grundlagen und kontinuierlicher Weiterentwicklung. Den Abschluss bildete eine gemeinsame Abendveranstaltung, die Raum für persönlichen Austausch bot und die Verbindung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des IFA unterstrich.
Ganz im Sinne des Leitmotivs: Was trägt, bleibt. Was sich ändert, wird integriert.


