Klimaneutralität wissenschaftlich fundiert gestalten
Klimawandel, endliche Ressourcen und steigende Umweltbelastungen bedeuten für Hochschulen eine neue Verantwortung. Die Leibniz Universität Hannover hat sich deshalb ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Bis 2031 will sie klimaneutral werden. Um diesen Weg strategisch und wirksam zu gestalten, braucht es mehr als Einzelmaßnahmen. Es braucht eine fundierte, ganzheitliche Bewertungsmethodik der Umweltauswirkungen universitärer Aktivitäten. Genau hier setzt ein aktuelles Forschungsprojekt des IKK – Institut für Kunststoff- und Kreislauftechnik der Leibniz Universität Hannover an, das gemeinsam mit deren Green Office realisiert wird.
Das IKK entwickelt eine wissenschaftlich belastbare Methodik zur Lebenszyklusanalyse und CO₂-Bilanzierung von Hochschulen. Ziel ist es, Umweltwirkungen systematisch zu erfassen, deren Hotspots sichtbar zu machen und zukünftige (Bau-)Maßnahmen zur Verbesserung der Nachhaltigkeit auf einer wissenschaftlichen Datenbasis vergleichen und priorisieren zu können. Damit schafft das IKK eine zentrale Grundlage für die nachhaltige Weiterentwicklung des Campus Maschinenbau und der gesamten Leibniz Universität.
Campus Maschinenbau in Garbsen dient als Erprobungsstandort
Eine klimaneutrale Hochschule lässt sich nur dann realisieren, wenn Emissionen bekannt, vergleichbar und nachvollziehbar sind. Bisher erschweren jedoch uneinheitliche Datenerfassung, fehlende Strukturen und ein geringes Bewusstsein für die Bedeutung dieser Daten eine detaillierte Bewertung. Das IKK begegnet diesem Problem mit dem Aufbau einer langfristig angelegten, strukturierten Datensammlung für die Ökobilanzierung der Universität.
Als Erprobungsstandort dient der Campus Maschinenbau in Garbsen. Der geschlossene Campus mit klaren Zuständigkeiten und separat erfasstem Energiebedarf bietet ideale Voraussetzungen, um Prozesse zu testen und weiterzuentwickeln. Die gewonnenen Erkenntnisse bereiten die Wissenschaftler*innen im Projekt so auf, dass sie anschließend auf weitere Fakultäten und Organisationseinheiten der Leibniz Universität Hannover übertragen werden können.
Lebenszyklusanalyse für Hochschulen weitergedacht
Im Mittelpunkt der Forschungsarbeit steht die Weiterentwicklung der Ökobilanzierung nach aktuellen ISO-Normen (ISO 14040/44 und ISO 14072) speziell für Hochschulen. Das IKK berücksichtigt dabei hochschulspezifische Besonderheiten wie multifunktional genutzte Räume, die Balance zwischen Präsenz- und Online-Lehre sowie die Einbindung des Campus in urbane oder ländliche Kontexte.
So entsteht eine Methodik, die den realen Hochschulbetrieb abbildet und wissenschaftlich fundierte Aussagen über Umweltwirkungen ermöglicht. Parallel dazu entwickelt das IKK ein Bewertungstool, mit dem zukünftige (Bau-)Maßnahmen hinsichtlich ihres ökologischen Einsparpotenzials eingeordnet werden können. Entscheidungen lassen sich dadurch nicht nur anhand einzelner Kennwerte wie Energieverbrauch treffen, sondern auf Basis umfassender Umweltauswirkungen.
Nutzen für Anwender*innen: Nachhaltige Entscheidungen treffen
Die Ergebnisse des Projekts unterstützen Entscheidungsträger*innen der Leibniz Universität Hannover dabei, Maßnahmen gezielt, transparent und wirksam zu priorisieren. Mitarbeitende und Studierende werden aktiv eingebunden, unter anderem über Workshops und Informationsveranstaltungen, die das Bewusstsein für Datenerfassung und Nachhaltigkeit stärken. Gleichzeitig integriert das IKK Studierende über Abschlussarbeiten direkt in die Forschung und verankert die Nachhaltigkeitsbewertung im Studium.
Über die Universität hinaus bietet die Methodik einen klaren Mehrwert für andere Hochschulen. Sie schafft eine einheitliche Bewertungsbasis, erleichtert strategische Entscheidungen und unterstützt eine wissenschaftsbasierte Nachhaltigkeitssteuerung.
Nachhaltigkeitsbewertung für Hochschulen stößt auf internationales Interesse
Schon heute stößt der Ansatz des IKK international auf großes Interesse. Kooperationen mit der University of Iceland sowie die Übertragung der Methodik auf die Queensland University in Australien zeigen das Potenzial einer global anwendbaren Lösung. Im europäischen Hochschulnetzwerk EULiST stärkt das Projekt die Sichtbarkeit der Leibniz Universität Hannover als Vorreiterin nachhaltiger Hochschulentwicklung.
Die Vision des IKK ist eine datenbasierte, international vernetzte Nachhaltigkeitsbewertung, die Hochschulen dabei unterstützt, Klimaziele nicht nur zu formulieren, sondern messbar und wirksam zu erreichen.


