Forschung und Industrie an einen Tisch bringen: Dafür steht die EFB. In ihrem Netzwerk forschen und arbeiten Unternehmen und Forschungseinrichtungen vorwettbewerblich zusammen, um Lösungen zu entwickeln, die in der industriellen Praxis funktionieren. Darüber hinaus stellt die EFB den Wissenstransfer sicher – beispielsweise über Veranstaltungen, Messen oder den EFB-Verlag.
Dr.-Ing. Daniel Rosenbusch ist seit dem 1. April 2024 Geschäftsführer der EFB. Zuvor war er wissenschaftlicher Mitarbeiter und stellvertretender Oberingenieur am IFUM – Institut für Umformtechnik und Umformmaschinen der Leibniz Universität Hannover. In seiner Dissertation beschäftigte er sich mit dem Thema Verschleiß in der Blechmassivumformung.
Herr Dr. Rosenbusch, wofür steht die EFB aus Ihrer Sicht, und welchen konkreten Mehrwert schafft sie für die Branche?
DR: Die EFB steht für ein sehr klares Prinzip: Wir beschleunigen Innovation, indem wir Forschung und industrielle Praxis strukturiert zusammenbringen. Für mich ist das kein abstrakter Netzwerkgedanke, sondern tägliche Wertschöpfung: Unternehmen, Institute und Fachleute arbeiten an denselben Herausforderungen, teilen Erfahrungen und entwickeln gemeinsam Lösungen, die im Betrieb bestehen. Genau darin liegt der Mehrwert für die Branche: weniger isolierte Einzelansätze, mehr belastbare Ergebnisse mit direktem Praxisbezug. Gerade in einem Umfeld mit hohem Zeit- und Kostendruck ist diese Form der Zusammenarbeit ein echter Wettbewerbsvorteil.
Welche Aufgabenfelder prägen Ihre Rolle als Geschäftsführer besonders, und wo setzen Sie heute die wichtigsten Schwerpunkte?
DR: Die Rolle ist bewusst breit angelegt: Sie reicht von strategischer Ausrichtung, Budget- und Gremienarbeit bis zur inhaltlichen Entwicklung von Themenfeldern und dem engen Austausch mit unseren Mitgliedern. Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der Übersetzung zwischen unterschiedlichen Perspektiven: Was braucht ein Unternehmen kurzfristig, was ist forschungsseitig sinnvoll, und wie entsteht daraus ein tragfähiges Projekt? Gleichzeitig geht es um Organisation und Teamentwicklung, denn wir müssen Wissen im System halten und neue Kompetenzen aufbauen. Die EFB ist dabei kein kleines Kernteam im engen Sinn, sondern ein aktives Zusammenspiel aus Hauptamt, Ehrenamt, Forschungsseite und Industrie, das nur gemeinsam Wirkung entfaltet.
Sie kommen aus der Wissenschaft. Welche Erfahrungen aus dieser Zeit helfen Ihnen heute in der Geschäftsführung am stärksten?
DR: Aus der Wissenschaft habe ich vor allem die Fähigkeit mitgenommen, komplexe Probleme systematisch zu zerlegen und trotz Unsicherheit entscheidungsfähig zu bleiben. In der Geschäftsführung hilft mir das täglich: Ich kann neue Themen schnell strukturieren, Chancen und Risiken realistisch bewerten und die Diskussion auf belastbare Kriterien zurückführen. Gleichzeitig hat mich die Forschung geprägt, Ergebnisse nicht nur theoretisch sauber, sondern auch überprüfbar und anwendungsnah zu denken. Genau dieser Brückenschlag ist in meiner heutigen Rolle entscheidend: Wir wollen keine Folienlösungen, sondern Fortschritt, der in Produktion, Qualität und Wirtschaftlichkeit sichtbar wird.
Welche technologischen und wirtschaftlichen Trends werden die Blechverarbeitung in den kommenden Jahren aus Ihrer Sicht am stärksten prägen?
DR: Ich sehe drei Entwicklungslinien, die zusammen gedacht werden müssen. Erstens der datenbasierte Betrieb bis hin zu KI-gestützten Entscheidungen: Ziel sind stabilere Prozesse, höhere Qualität und geringere Ausschussquoten. Zweitens Kreislaufwirtschaft und Materialeffizienz: Produkte und Fertigungsprozesse müssen so ausgelegt sein, dass Reparatur, Demontage und Recycling von Anfang an möglich sind. Drittens die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Europa: Wir müssen Qualität, Innovationsgeschwindigkeit und Effizienz gleichzeitig steigern, statt sie gegeneinander auszuspielen. Wer diese drei Felder integriert bearbeitet, wird technologisch und wirtschaftlich vorn bleiben.
Wenn wir auf KI schauen: Wo sehen Sie den größten praktischen Nutzen für Unternehmen in Ihrem Netzwerk?
DR: Der größte Nutzen entsteht dort, wo KI konkrete betriebliche Engpässe adressiert. Beispielsweise kann sie Prozessabweichungen früher sichtbar machen, Qualitätsverläufe besser prognostizieren und Maschinenparameter datenbasiert nachführen. Das erhöht Robustheit und reduziert Reibungsverluste im Alltag. Besonders relevant ist zudem die Wissenssicherung: Viel Erfahrungswissen liegt heute in Köpfen langjähriger Mitarbeitender. Dieses Wissen in Modelle, Leitfäden und reproduzierbare Abläufe zu überführen, ist kein Zukunftsthema mehr, sondern eine akute Führungsaufgabe der nächsten Jahre. Wir haben daher nicht ohne Grund Nachhaltigkeit und KI zum Thema unseres EFB-Kolloquiums im April 20206 gemacht.
Viele Ihrer Mitglieder sind KMU ohne große eigene F&E-Abteilung. Wie profitieren diese Unternehmen ganz konkret von der EFB?
DR: Für KMU ist die EFB ein struktureller Hebel, weil sie Zugang zu Forschungswissen, Partnern und Projektformaten bekommen, die allein oft nicht erreichbar wären. In vorwettbewerblichen Projekten werden Aufwand, Risiko und Know-how auf mehrere Schultern verteilt. Dadurch können auch kleinere Unternehmen anspruchsvolle Fragestellungen bearbeiten, ohne ihre operative Leistungsfähigkeit zu überlasten. Gleichzeitig gewinnen sie schneller Orientierung, welche Ansätze in der Praxis funktionieren. Das verkürzt Entwicklungszyklen und erhöht die Qualität strategischer Entscheidungen.
Was nehmen Mitglieder neben den reinen Projektergebnissen aus dem EFB-Netzwerk mit?
DR: Mindestens so wichtig wie das Projektergebnis ist der kontinuierliche Wissenstransfer. Unsere Mitglieder profitieren von Fachveranstaltungen, Arbeitskreisen und Formaten, in denen man nicht nur Ergebnisse präsentiert, sondern Erfahrungen offen diskutiert. Dazu kommen hochwertige Merkblätter und praxisnahe Unterlagen, die den Transfer in den betrieblichen Alltag deutlich erleichtern. Viele merken schon nach kurzer Zeit: Der fachliche Tiefgang im Netzwerk ist hoch, und der Austausch mit den richtigen Ansprechpartnern spart in der Umsetzung enorm viel Zeit.
Wie können interessierte Unternehmen die EFB kennenlernen, bevor sie sich für eine Mitgliedschaft entscheiden?
DR: Der einfachste Einstieg ist über unsere Veranstaltungen und den direkten Austausch mit uns. Dort sieht man sehr schnell, wie wir arbeiten, welche Themen aktuell Priorität haben und welchen fachlichen Anspruch das Netzwerk hat. Zusätzlich bieten wir unkomplizierte Kennenlerngespräche an, digital oder vor Ort. So können Unternehmen ohne Hürde prüfen, wo konkrete Anknüpfungspunkte liegen und wie eine Zusammenarbeit sinnvoll aufgebaut werden kann.


