Mikrotechnologie auf Kunststoffbasis fertigen und Substrate wie beispielsweise Silizium ersetzen: Das ist die Grundidee, auf der Dr. Sebastian Bengsch das Corporate Start-up Ensinger Microsystems Technology (EMST) gründet.
Entstanden ist die Idee aus seiner Forschung. Sechs Jahre lang arbeitete Dr. Bengsch als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am IMPT – Institut für Mikroproduktionstechnik der Leibniz Universität Hannover und im Exzellenzcluster PhoenixD. Um Sensoren auf Kunststoffsubstraten dreht sich auch seine Dissertation, die er 2022 erfolgreich abgeschlossen hat.
Corporate Start-up: Ensinger Microsystems Technology (EMST)
Seit Januar 2022 arbeitet der ehemalige IMPT-Wissenschaftler bei der Ensinger GmbH. Mit dem Unternehmen hatte er bereits in seinen Forschungsprojekten eng zusammengearbeitet: Ensinger lieferte das Kunststoff-Granulat TECACOMP® PEEK LDS, das Bengsch für den Spritzguss der Kunststoffsubstrate benötigte.
Als Start-up Lead Microsystems verantwortet Dr. Bengsch inzwischen die industrielle Umsetzung der von ihm entwickelten Technologie. Verstärkung erhielt er 2024 von Dr. Eike Fischer, ebenfalls vom IMPT: Mit seiner Expertise in Elektronik und Messtechnik unterstützt er das Team von Ensinger Microsystems.
Das Corporate Start-up Ensinger Microsystems Technology (EMST) fertigt aktuell den TECAWAFER, eine leistungsfähige Alternative zu marktüblichen Wafern aus Silizium, Glas oder Keramik. „Damit schaffen wir eine echte Alternative zur klassischen Mikrosystemfertigung und ermöglichen zugleich hochgradig individuelle Lösungen für verschiedenste Branchen“, sagt Dr. Bengsch. Geplant sei, das Portfolio kontinuierlich weiterzuentwickeln und neue Kundengruppen anzusprechen.
Mikrosysteme auf Kunststoffbasis: Das sind die Vorteile
Die Mikrosystemlösungen auf Kunststoffbasis bieten laut Dr. Bengsch drei entscheidende Verfahrensvorteile gegenüber marktgängigen Lösungen – insbesondere gegenüber klassischen Silizium-basierten Systemen:
Funktionalisierung: Die Technologie ermöglicht maßgeschneiderte Beschichtungen, die weit über herkömmliche Materialien wie Gold, Nickel oder Kupfer hinausgehen. Dadurch erweitern sich die funktionalen und technologischen Möglichkeiten erheblich.
Integration: Im Gegensatz zu klassischen Werkstoffen lassen sich die Lösungen auf Basis von Polyetheretherketon (PEEK) im Spritzguss verarbeiten. Dadurch ist es möglich, kundenspezifische Wafergeometrien zu realisieren, die optimal auf die jeweilige Anwendung abgestimmt sind.
Individualisierung: Kundenspezifische Funktionen, Formen und Stückzahlen sind problemlos realisierbar – auch bei kleinen Losgrößen oder wenigen Sensoren pro Wafer. Das setzt neue Maßstäbe in der Individualisierung von Mikrosystemen.
Von der Forschungs-Idee zur industriellen Anwendung
Das Corporate Start-up EMST zeigt exemplarisch, wie Ideen und Erfindungen aus der Leibniz Universität Hannover – insbesondere aus dem Produktionstechnischen Zentrum Hannover (PZH) – erfolgreich in nachhaltige industrielle Anwendungen überführt werden können.
Und es zeigt, dass die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft nicht enden muss, wenn eine Forschungs-Idee zu einer erfolgreichen Gründung geführt hat. Ensinger Microsystems baut derzeit ein R&D-Center sowie eine Pilotserie im Produktionstechnischen Zentrum Hannover (PZH) auf. Dadurch entstehen weitere Arbeitsplätze in der Mikrosystemtechnik und im Engineering.
„Wir hoffen, dass Ensinger Microsystems als Leuchtturmprojekt den Weg für weitere Ausgründungen und Unternehmensinvestitionen am PZH ebnet“, so Bengsch.
